Projekt 180°

Projekt 180° ist ein freies Theater, das seinen Sitz in Aachen am Dreiländereck Deutschland, Belgien und den  Niederlanden hat. Die Formation gründete sich 1995 aus der Produktion 180° Unschärfe, die von Mitgliedern der freien Kulturszene Aachens realisiert wurde.
 
 

Theater als Spektakel

Theater in seiner klassischen Form lebt von dem dargebotenen Stück und den Darstellern. Der Regisseur bearbeitet dieVorlage und gibt somit dem Werk seine persönliche Note, Bühnenbild und Musik runden das ganze ab, machen daraus
eine Einheit. Der Zuschauer lebt aber in einer Welt, in der er von den Medien, insbesondere Film und Fernsehen, mit Informationen überflutet wird, die ihm den Zugang zu der klassischen Kunstform Theater erschwert, wenn nicht sogar unmöglich macht.

Projekt 180° macht sich die Mittel dieser Medien zunutze, um darüber den Zuschauer zu erreichen.
Neben den Darstellern wird hierbei die Musik und die Bühne vom Status einer produktionsbegleitenden Komponente in einen leichberechtigten Stand erhoben und spricht somit den Zuschauer auf den unterschiedlichsten Wegen an. Die Bühne ist nicht nur der Ort, auf dem sich die Darsteller bewegen, sondern gleichzeitig auch der Betrachter. Von seinem Standpunkt hängt es ab, was er wie sieht und wie er es wahrnimmt. Die Musik verliert ihren rein unterstützenden Charakter und wird zum Akteur. Eine Lautstärke, die bis an die Schmerzgrenze geht aber auch absolute Stille versetzt den Zuschauer automatisch in die unterschiedlichsten Erregungszustände.

In den ersten beiden Produktionen (180° Unschärfe und Metropolis) wurde ganz auf verständliche Sprache verzichtet, die Darsteller unterhielten sich in einer Kunstsprache. Der Zuschauer ist dadurch auf die Wahrnehmung der Emotionen und Handlungen der Darsteller reduziert, der gesprochene Inhalt bleibt ihm verschlossen. Was auf der einen Seite eine
Beschneidung ist, öffnet die Phantasie und Bereitschaft zu Neuem auf der anderen. Der Zuschauer lernt neu zuzuschauen.